Nanü…?!

Keine Sorgenfalten? Und es ist etwas mit meinen Mundwinkeln! Es fühlt sich wie ein ganz leichtes Lächeln an! Das muss gut behandelt werden. Wertvolle Sache!!!

Ich stand gestern abend noch ziemlich neben mir. Das Antidepressiva hat mich mehrfach Galle kotzen lassen und ich war froh,  daß ich mich an Eis und Schokolade  vergriffen hatte.

Muskel- und Gelenkschmerzen sind heute in der Wundertüte. Sie haben sich gestern Abend angekündigt mit leichten Muskelzuckungen und Stechen in den Gelenken. Ganz so als würde man krank werden. Aber nein. Nur eine weitere Nebenwirkung.

Meine Augen tränen. Irgendwas ist irgendwann mal mit dem Tränenkanälchen schief gegangen.

Am rechten Mundwinkel ist meine Haut wieder schuppig und wund. Seit meiner letzten bulimischen Es(s)kalation,  ist der Mundwinkel eingerissen. Kaum zu sehen wenn nichts eskaliert, sofort wieder da wenn ich kotzen musste. Wird in den nächsten Tagen noch schlimmer aussehen. Dann wird es wieder fast verschwinden.

Langsam stellt sich auch wieder die vertraute Übelkeit ein. Ich hätte sie um ein Haar vermisst.

Ich mache das Frühstück für meine beiden Liebsten. Brot für meinen Mann, für die Firma. Für Rebeca einen Hühnerhals,  etwas Öl,  was für die Gelenke und Augen. Dazu Känguru und Möhrenpüre. Nichts extravagantes. Einfach nur eine artgerechte Ernährung.

Ich füttere an verschiedenen Stellen am und ums Haus die Vögel. Auch hier wird Frühstück verteilt.

Nachdem ich meinen Mann verabschiedet habe,  ist es Zeit für Rebeca und mein allmorgentliches Ritual. Wir “rudeln” etwas auf dem Sofa. Zeit nur für Rebeca. Sie kuschelt sich fest an mich und schläft. Heute schlafe ich mit. Bin noch nicht stark genug für den Tag.

Mein Lächeln ist in der Sofaritze verloren gegangen. Ich bin in einer Blase. Die Außenwelt nehme ich wie durch Nebel wahr. Stumpf. Taub. Stumm. Trostlos. Mutlos.

Mein Magen rebelliert. Das Frühstück will wieder raus.

Macht das Antidepressiva Sinn? Zu meiner nicht vorhandenen Laune und meinen Lebensunwillen kommen jetzt auch noch ein paar Specialeffects in Form der Nebenwirkungen. Hab Geduld. Das dauert etwas. Vielleicht muss ein neues her.

Ich sitze vor den bodentiefen Fenster im Wohnzimmer. Es nieselt. Mein Schutzwall aus meterhohen Bäumen und deren undurchdringlichen Blattwerk liegt verteilt auf der Wiese. Nackt. Offen. Schutzlos. Ich sehe Autos. Ich sehe Menschen. Amseln tummeln sich in den beinahe kahlen Zweigen und fressen die kleinen roten Beeren. Direkt vor dem Fenster ist ein kleines Bäumchen. Einzelne, noch vorhandene,  Blättchen nicken lustig wenn ein Regentröpfchen darauf fällt. Mein Bauch tut weh. Ich beisse meine Zähne festzusammen. Wiege mich leicht vor und zurück.

Es ist wichtig  gerade jetzt hier am Fenster zu sitzen. Ich muss lernen dass es normal ist. Autos. Menschen. Keine Gefahr. Ist doch erstaunlich wie viele Autos hier so schnelle 50 fahren können!

Mein Training heute war hart. Vielleicht zu hart. Ich habe nicht die 4×20 Kniebeugen voll bekommen. Im Moment sehe ich es nicht als Versagen. Beim Duschen verschwinde ich wieder nicht im Gulli… schade.

Für Rebeca gibt es ein bisschen Nasenarbeit. Sie ist so gut! Ich male etwas. Keine 10 Minuten. Unterbrochen vom Paketboten (ich mach auf, ohne Angst!). Macht kein Spass. Ich räume alles wieder zusammen. Der Fernseher läuft ich liege auch dem Sofa. Decke drauf. Rebeca eingekringelt wie ein Böhnchen neben mir. Ich liebe sie so. Die Sendung beachte ich nicht. Hauptsache Hintergrundbeschallung.

Ich muss schon wieder Essen… Dabei ist mein “Mittagsfläschen” gerade erst leer. Flüssig geht es  tatsächlich etwas besser.

Am Boden

Und dann finde ich mich gedankenverloren auf dem Fußboden wieder. Passiert mir immer öfter. Ich liege auf dem Boden und starre an die Decke. Ist wohl doch das was es ist: ein Ausdruck absoluter Verzweiflung. Ich bin ein Geist. Eine leere Hülle. Keiner Zuhause. Ich möchte die sein, die ich immer hätte sein sollen: ein lustiger, fröhlicher Mensch. Offen. Gut gelaunt. Voller Energie.

Nur  ein Schatten.

vor 3 Jahren

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