Samstag and the City 

… Und dann saß ich da an meinem Schreibtisch in meinem Zimmerlein, vor mir mein Mittagessen und plötzlich fährt diese dicke plüschige Raupe samt rotem Schwänzchen an mir vorbei. 

Heute geht es in die Stadt. Zur Schmiede, in der Hoffnung mein Armband endlich unkaputtbar zu bekommen. Wir wollen auch noch ein paar Besorgungen machen. 

Parkhaus. Panik. Meine Laune ist aber auch nicht die beste. Ich mag mein Armband nicht her geben. Ich hasse die Stadt, ich hasse die Menschen. Es ist unübersichtlich, laut. Ich kämpfe mich durch. Die Schmiedin verspricht mir ein neues Band anzufertigen. 

Das darf nicht passieren. Es wird so schnell wie möglich fertig sein. Ich weiß wie wichtig das ist.

sagt sie.

Ich kämpfe mit den Tränen und der vollen Stadt. Es geht weiter. Wir brauchen ein Geschenk und ich brauche dafür noch ein paar ‘Zutaten’. Ich kann mich weder auf die Verkäuferin noch auf das Sortiment konzentrieren. Alles, Worte, Gegenstände, alles verschwimmt zu einer Kakophonie.

Weiter. Süßkram. Was besonderes. Auch hier verschwindet die Welt vor meinen Augen. Ich versuche mich immer wieder daraus zu befreien. Mein Mann versucht es auch immer wieder. So schwierig die Balance jetzt und hier das Richtige zu tun. Es gelingt nicht. 

Gleich ist es geschafft. Noch eben einen Salat und etwas Käse für unser neues Burgerexperiment besorgen. Ich bin orientierungslos und verunsichert. Laufe hin und her. Schaffe es nicht mir einen Überblick zu verschaffen. Samstag Mittag. Es ist voll, laut, der Laden ist umgebaut worden. An der Kasse fällt der Dame vor uns ein Glas Brühe herunter. Der Mann an der Kasse ist überfordert. Obwohl es einer der moderneren größeren Edeka ist, muss der Mann mehrfach telefonieren bis überhaupt jemand kommt um mal zu gucken was los ist – ja es wird nur ein Lappen gebraucht! Es dauert fast zehn Minuten. Die Dame geht ohne Brühe nur mit einem schlechten Gefühl den ganzen Betrieb aufgehalten zu haben. 

Im Auto angekommen. Ich sehe einen alten Mann der dicht an den parkenden Autos vorbei läuft – mutig. Er hält kurz inne während mein Mann langsam aus der Parklücke fährt. Dann rennt er los und schlägt gegen die Heckscheibe. Die Abdeckung vom Scheibenwischer lößt sich. Das war Absicht. Stehen bleiben, los rennen, auf die Scheibe schlagen. Ich reiße die Tür auf. Er schimpft los. Ich glaube ich versuche es mit einem ruhigen Ton. Dann schreie ich ihn an. Knoppes enraged. Mieser verschrumpelter alter Mann. Hat nichts besseres zu tun an Samstagmittagen. Sein armseligen kleines Hobby. Widerliches altes Ekel. Frustrierter verschrumpelter Sack. Gleich werde ich ihn beschimpfen. Bevor es dazu kommt fahren wir weiter. Vielleicht wird er bei seinem nächsten Opfer einfach über den Haufen gefahren – ja, das wünsche ich mir. Verrecke an deinem miesen Charakter!

Ein tiefe Gefühl der Bedrohung bringe ich aus der Stadt mit. Erst mache ich meinem Mann Vorwürfe, dann mir, dann weine ich. Ich kann nicht mehr in die Stadt gehen. Auch nicht mit meinem Mann. Ich will dieses Gefühl nie wieder haben. Egal wie oft ich Stadt übe. Es wird nicht besser. Ich stelle mir kleine tolle Ausflüge vor. Viel zu sehen, viel zu entdecken. In der Realität erzeugt Stadt, Häuser, Menschen einfach nur noch Angst, Bedrohung, Betäubung. Ich weine bis mir die Augen weh tun. Dann gehe ich in den Keller. Etwas Ablenkung. Es klappt. Soweit. So kurz. 


Nein. So soll kein Tag sein. Nein. Der Tag wird auch nicht mehr besser. Ich gehe in mein Zimmer. 

Es hat keinen Sinn krampfhaft den Tag zu verbessern. Heute ist eben einfach ein schlechter Tag. 

Ein Gewitter zieht auf. Der beste Zeitpunkt diesen Tag zu beenden. 

Tschüss 

vor 4 Jahren

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