Nein… nein…

Ich habe diese Nacht deutlich besser geschlafen als in der letzten. 

Wir haben auch gleich Fotos gemacht und meine Maße genommen. Ich finde mein Spiegelbild sieht ‘strammer’ aus. Ansonsten hat sich tatsächlich nichts verändert. Selbst in der Massephase war mein Gewicht nicht so konstant wie in den letzten vier Wochen. Da war die Tendenz eher nach unten. Ich bin gespannt wie es im Verlauf wird,  bzw was der Coach zu sagen hat. Noch ist ja nicht alles ganz so ernst. Was Montag dann schon wieder anders aussieht.

Meine Laune klebt dennoch bei irgendwo nicht vorhanden. Ich bin nicht zufrieden mit den Fotos. Es sieht nicht so aus wie im Spiegel. 

Ich sitze in meinem Sessel,  schaue nach draußen,  trinke Tee und höre Musik. Ein Blaubeer-Reis-Küchlein ist im Ofen – für morgen nach dem Training. Das Mandelküchlein für heute Mittag kühlt schon aus. Rebeca dreht ihre Runden durch das Wohnzimmer. Sie schiebt wie immer ihren Kong vor sich her. Heute guckt aus der kleinen Öffnung ein getrocknetes Hühnerbein. Sie ist leicht ärgerlich,  weil sie es nicht zu fassen bekommt. 

Ich hänge meinen Gedanken nach ohne sagen zu können was ich denke. Irgendwie genieße ich den Moment. Nur ich,  Musik und Tee. Ein leichter Nebel liegt über der Welt. Alles ist eher grau und farblos. Iche muss lächeln. Könnte auch ein Bild aus meinem Kopf sein. Gespiegelt. Projektiert.

Mein neuer Pullover fusselt. Meine Haare sind so kurz,  dass die Fusseln daran hängen bleiben. Mein Mann lacht jedes Mal wenn er meinen Fusselkopf sieht. Ich habe es aufgegeben sie abzupuhlen.

Rebeca hat ihren Kong in ihr Körbchen geschleppt. Resegniert läuft sie leise hechelt umher. Gleich wird sie sich irgendwo fallen lassen und einen Moment ausruhen. Für 14 Jahre ist sie wirklich ausdauernd. Sie liegt jetzt vor meinem Sessel. Das Experimentieren mit den Schmerzmitteln hat sich gelohnt. Auch scheint die Umstellung auf ein anderes Theophyllinpräparat besser  bzw. stabieler zu wirken. Durch Zufall haben wir bemerkt,  dass ihre Augen dadurch klarer geworden sind. Sie findet sich wieder besser im Haus zurecht und sie folgt uns auch wieder mit ihrem Blick. Trotzdem sind alle Treppen gesichert. So gut ist sie dann doch nicht mehr zufuss und schnell ist eine Stufe übersehen. 

Ich habe das Gefühl als müsste ich etwas sinnvolles tun. Ich gehe in den Garten und harke ziellos etwas Laub zusammen. Genauso schnell lasse ich es wieder sein. Ich sehe keinen Sinn darin. Doch… Der Garten wäre weniger chaotisch. Es würde fast schon den Frühling einleuten. Ich könnte  mir Gedanken machen über Blumen und Pflanzen. Nein. Seit dem letzten Haus habe ich keinen Spaß mehr daran. All meine Rosen habe ich da lassen müssen. Das war eine Menge Arbeit und eine Menge Geld. Und ich hatte nicht mal einen Sommer was davon. Abgesehen von einer Kiwipflanze und einen halbherzigen Versuch eine Rose zu pflanzen habe ich hier nicht wirklich was gemacht. Warum auch. Damit sich später andere daran erfreuen? Nein. Es gibt auch keine Tulpen und keine Narzissen. Nichts was nicht schon da war. Auch da hatte ich mich farbenprächtig ausgelassen. Nein. Nur Arbeit und wahrscheinlich wieder Frust den ich mir aufhalse. Wenn ich eines Tages mein endgültiges  Nest gefunden habe,  werde ich darüber nachdenken. 

Nein. Ich sehe wirklich keinen Sinn darin. 

Ich liege mit Rebeca auf meinem Sofa und lese. Solang bis es Zeit für mein Mandelküchlein ist. Mein Mann ist im Keller und drückt am PC rum. So muss Urlaub!

Ich gehe in die Badewanne. Ich mag es in der kalten Wanne zu liegen und das Wasser reinlaufen zu lassen. Ich mag es wie der Schaum in den Ohren knistert und ich mag es zu sehen wie sich meine Haut rot verfärbt. Heute komme ich aber nicht zur Ruhe. Ich setzte mich wieder hin und beobachte wie das Wasser leicht umher schwappt. Der Schaumberg wird langsam größer. Ich versuche mein Gedankenkarrussell zu stoppen. Immer wieder ploppt die Frage auf, ob ich nicht doch Anzeige erstatten soll. Auch wenn die Aussicht gleich null ist. Anzeige um zu zeigen ‘So nicht!’. ‘Du hast falsch gehandelt!’. Und dann?

Ich lege mich wieder hin. Das Wasser ist jetzt deutlich höher, nicht heiss genug. Dann setze ich mich doch gleich wieder hin. Zupfen an einer Schwiele an meiner Handinnenfläche. Dann lege ich meine Stirn auf den kalten Wannenrand. Ich sehe hunderte kleiner Schaumbläschen. Darunter schimmert ein bisschen Bein durch. Langsam lasse ich einen Spuckefaden auf die Bläschen runter, in der Hoffnung es würde irgendwas passieren oder ändern. Es passiert nichts und es ändert sich auch nichts. Er verschwindet einfach. Ich steige aus der Wanne. Alles ist wie vorher. Ich hänge meinen Gedanken nach, wahrscheinlich dufte ich jetzt frischer als vorher. Ich ziehe eine Boxershorts an und ein paar gestrickte Wollsocken und mein rotes Tanktop. Während der Wasserdampf in dichten Nebel aus dem offenen Fenster wabert,  gehe ich ins Schlafzimmer und setzte mich auf das Bett. Die Füße stelle ich auf die Heizung. Ich kratze mir einige Stellen an meinen Beinen auf, nur um zu gucken ob noch Leben in mir ist. Ja. Meine Haut ist rau und vernarbt und es ist mir egal. Ich gehe runter ins Wohnzimmer. Vorbei am kleinen Wäscheberg und am winzigen Spinnennetz am Treppegeländer. Ich puste es vorsichtig an. Nichts passiert.

Mann und Hund liegen noch auf dem Sofa. Ich setze mich, nach dem ich Pullover und Jogginghose aufs Sofa geschmissen habe, in meinen Sessel.Dann stehe ich doch wieder auf. Gehe erst in die Küche dann in mein Zimmer. Mich nerven diese langweiligen YouTube Videos in dem irgendein langweiliger Amerikaner sein noch langweiligeres PC Spiel kommentiert. Mein Mann liebt es. Normalerweise kann ich es ganz gut ausblenden. Jetzt nicht. 

Ich liege jetzt auf meinem kleinen blauen Sofa, dass unter der Dachschräge in meinem Zimmer steht. Mein uralter Eisbär sitzt darauf. Die Heizung knackt und über mir auf dem Dachboden höre ich ein paar Pfötchen huschen. Dann ist es wieder still und ich  bin alleine mit meinen Gedanken.

Mein Mund ist trocken und ich wünsche mir einfach nur das alles in Ordnung kommt. Wann? Was muss ich dafür noch alles tun? 

Ich glaube das war auch genug für heute. 

Tschüss 

vor 4 Jahren

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