Rückflug 

Die Nacht war etwas kürzer als die letzte, aber weniger unruhig. Kurz vorm Aufstehen hatte ich das mir vertraute Rebeca-springt-aus-Körbchen-Geräusch im Ohr. Es hat einen Moment gedauert bis ich wieder wusste wo ich war. Edinburgh, Schottland. Wir haben den erstbesten Flug genommen. Seit Donnerstag sind wir hier. Schottland ist zuhause. Nirgendwo auf der Welt fühlt es sich so vertraut und gut an wie hier. Nirgendwo kenne ich mich so gut aus.

Castle Rock

In die Highlands sind wir diesmal nicht. Dort ist es noch vertrauter und noch mehr Zuhause als in Edinburgh. Aber dafür ist die Zeit zu kurz. Heute müssen wir zurück. Ich möchte nicht. Ich will nicht in mein leeres kaltes Nest zurück. Ich gehöre hier her.

Der Himmel ist strahlend blau und die Sonne scheint. Es gab ein schottisches Frühstück und nun wird der Koffer gepackt. Morgen werde ich weiter machen als wären die letzten Tage nicht gewesen. Training. Diät. Alltag. Nur eben als Hundesingle.

Irgendwann in dieser oder in der nächsten Woche werden wir Mini abholen können. Hübsch verpackt in einer kleinen schmucklosen Urne.

Der ein oder andere von euch wird in den letzten Blogposts bemerkt haben,  dass ich gerade nicht in meiner gewohnten Umgebung bin. Tatsächlich habe ich hier kaum bis garkeine Ängste. Ich fühle mich frei und teilweise richtig glücklich. Wir haben ein kleines Zimmer in der Cockburn Street. Wir sind praktisch direkt auf der Royal Mile.

Unser Zimmer hat ein tolles Feature. Es muss eine ehemalige Verbindung zwischen den Häusern gewesen sein. Eine kleine ‘Ausbuchtung’ mit zwei Fenstern, die über einer schmalen Gasse hängt.

Anchor Close

Das Wetter war die Tage über wirklich gut. Abgesehen vom gelegentlichen Nieselregen, der einfach dazu gehört, liegt hier schon etwas Frühling in der Luft.

Gorse über Edinburgh, habe nicht erwartet schon gelbe Blüten zu sehen

Der Rückweg macht mit sehr zu schaffen. Ich mag es hier viel zu sehr. Ja. Schottland ist wirklich mein Zubause. Vielleicht kann ich eines Tages für immer hier sein.

Wir sind jetzt am Flughafen. Es ist noch etwas Zeit bis unser Flieger geht. Die Menschen hier machen mir schon mehr zu schaffen. Mag aber auch an meiner allgemeinen Anspannung liegen. Ich habe keine Angst vorm Fliegen. Ich habe Angst vor dem nach Hause kommen.

Natürlich muss ich durch den Körperscan. Bei mir hat es gepiept. Arme und Schultern werden abgetastet. Alles ok. Mein Stresslevel ist sehr hoch und meine Unruhe sieht man mir deutlich an. Auch in Hamburg gab es Körperscanner. Hier wird jeder gescannt. Ich musste meine Stiefel ausziehen und meine Füße wurden abgetastet. Das hat mir fast nichts ausgemacht. Ich mag es nicht angefasst zu werden. Aber wenn es nach Schottland geht ist alles erträglich. Zurück dann weniger.

Ich will unbedingt etwas Süßes. Ziellos renne ich durch die Duty free Shops. Ich finde nichts. Das Schokoladenangebot ist dem Deutschen deutlich angepasster als vor zwei Jahren. Die Tafeln Cadbury könnten auch Milka sein. Gleiche Formen, gleicher Inhalt. Kein Kitkat Minze zu finden. Ist mir auch schon beim Einkaufen in den letzten Tagen aufgefallen. Das Süßwarenangebot ist, zumindest hier in Edinburgh,  deutlichst geschrumpft. Aber deshalb waren wir auch eigentlich nicht hier.
Ein paar Tage Auszeit. Das war wichtig und das hat auch,  wenigstens zeitweise, gut geklappt.

Essen dient wirklich nur als ‘Leerefüllstoff’. Es ist gerade auch wieder auf der Kippe. Ich verliere die Kontrolle. Essen ist einfach kein Trostpflaster. Es macht nicht, dass ich mich besser fühle. Im Gegenteil. Aber hey, Bauchweh ist auch ein Gefühl und besser als diese Dauerbetäubung, Trauer und Verzweiflung.

Arthurs Seat

Wir sitzen ganz vorne im Flugzeug. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis es los geht. Ich mag nicht. Ich will nicht zurück. Ich will hier bleiben. Auch der Flug dauert eine Ewigkeit. Diesmal etwas sanfter als der Hinflug. Wir hören Benjamin Blümchen. Domian kann ich zur Zeit nicht hören. Ich will nichts wissen vom Leid und Elend andere. Nicht solang ich mein Elend nicht überwunden habe.

Eine dicke Wolkenschicht verdeckt die Sicht.  Gleichmäßig weiss. Keine Türme, keine Berge. Einfach eine gleichmäßige Schicht weiß. Scharf begrenzt am Horizont dann helles Blau.

Nö nö. Das sind andere Wolken. Landeanflug Hamburg

Wir fahren in den nächsten Supermarkt. Es dauert noch eine Weile bis wir Zuhause sind. Es endet im Fressflash. Ich fürchte es war auch nicht der letzte für heute. Meine Selbstbeherrschung habe ich irgendwo verloren. Morgen.
Tschüss

vor 5 Jahren

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