Trauer

Ich bin nicht anwesend. Leer. Alleine. Überflutet von Gefühlen. Nicht auszuhalten. 

Wir haben gestern viel zusammen gebacken. Mein Mann wollte für seinen Einstand in die neue Firma Kuchen. Also wurde den ganzen Tag gebacken. Zwischen drin musste ich mein Notfallmedikament nehmen, weil mich die Trauer um Rebeca gelähmt hat. Ich habe geschlafen. Wahrscheinlich hatte ich deshalb auch Kreislaufprobleme. Das Medikament auf nüchternen Magen ist wohl nicht so schlau gewesen. Eigentlich wollten wir abends ins Kino. Wir waren aber beide so kaputt, dass wir um neun langsam schlafen gegangen sind. 

Heute morgen habe ich zwei Torten und einen Kuchen aufgeschnitten. Ich war am Rande einer Panik und völlig runter mit den Nerven. Es ist nichts passiert. Kuchen und Torten sind perfekt. Für mich war es heute morgen einfach zu viel.

Erst habe ich mich eine Weile aufs Sofa gelegt. Dann habe ich meine Sachen gepackt, Tee, Kaffee, Wasser und bin in mein Zimmer. Ich habe Rebecas Urne mitgenommen. Nach dem ich einen kleinen Schraubendreher gefunden hatte, um die Schmuckurnen zu öffnen, habe ich ihre Urne geöffnet. Ja… Es war nicht so wie ich erwartet hatte. In der Urne ist ein versiegelter durchsichtiger Beutel. Dadrin ist ‘Asche’. Es sieht aus wie eine Schaufel grober Sand. Wobei der Sand aus kleinen Knochen besteht. Alles was von meiner Mini übrig ist. 
Die Tage habe ich noch einen Bericht gelesen,  in dem stand,  dass der Verlust eines Hundes schwerer sein kann als der eines Freundes oder Familienmitgliedes. Die Erklärung dafür ist ganz einfach. Die Beziehung zwischen Mensch und Hund basieret auf absolutem Vertrauen. Ein Hund urteilt nicht. Er liebt bedingungslos. Hinterfragt nicht. 

Das kann man nicht verstehen und nicht nachvollziehen wenn man nie einen Hund hatte. Es ist eben nicht ‘nur ein Hund’. Für viele ist es ein Tabuthema. Unverstanden. Nicht nachvollziehbar. Aber eigentlich auch absolut verständlich. Nie hatte ich einen Freund wie Rebeca. Keiner kannte mich besser. Kein Mensch kann treuer und liebender sein.

Es hat mich viele Tränen gekostet einen winzigen Teil von Rebeca aus dem versiegelten Beutel zu nehmen und in die beiden Schmuckstücke zu füllen. Ich glaube aber,  dass es gut und richtig ist. Ich brauche etwas zum ‘Anfassen’ um der Trauer Herr werden zu können. 

Ich habe mich noch eine Weile mit den Schmuckstücken beschäftigt. Einige Ideen sind umsetzbar. Andere nicht. 

Dann habe ich die Küche geputzt und mein obligatorisches Reisküchlein gebacken. Alles für meinen Avocadofluff vorbereitet und versucht nicht in meinem Innersten zu versinken.

Mein Log Update habe ich gestern noch irgendwie gebastelt. 

Während des Trainings habe ich mein Handy und das Tablett in den Flugmodus gestellt. Ich war einfach nur noch genervt. Das Training war hart und hat etwas den Kopf ausgeschaltet. Trotzdem habe ich mich tieftraurig gefühlt. 

Hunger habe ich nicht so richtig. Meine Maiswaffeln mit Banane und Kirschen sind drin. Aber mein Reisküchlein… nein. Das wird gleich nur reingestopft. 

Mich zieht es in den Garten. Ich bin hin und her gerissen zwischen Sofa und Terrasse. 

Dann bin ich doch eine gute Stunde im Garten beschäftigt. Fege altes Laub zusammen und räume die Terrasse etwas auf. Tisch und Stühle sind auch schon grob abgespült. Ich versuche mich etwas in den Garten zu setzen. Hier bin ich noch mehr verloren als im Haus. Baden und lesen.

Tschüss 

vor 5 Jahren

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