Backtag

Ja,  meine Nacht war wie immer nur mit noch weniger Schlaf.  Hellwach. Kurzes Nickerchen und wieder hellwach. Mein Kopf war praktisch pausenlos im Einsatz. Meine Gedanken waren überall. Ruhe war nicht zu finden. Trotzdem war es gemütlich im Bett. Dieses Gefühl hatte ich lang nicht mehr. Und ein kurzen ziemlich coolen Traum! Leider war ich wieder wach bevor ich das Ende träumen konnte. Gelegentlich schaffe ich es ja dann weiter zu träumen. 

Meine Laune ist dennoch ganz gut! 

Heute wird gebacken. Nach meiner Laufrunde,  ging es direkt in die Küche. Geburstagskuchen für meinen Mann zaubern. Und damit auch ich davon was habe,  natürlich Low Carb. Ich bin auf das Ergebnis schwer gespannt. War doch schon etwas experimentell und nach einer sportlichen Betätigung bin ich ziemlich schnell unkonzentriert und gestresst. Sieht bisher gut aus. Bohnen, Pudding, Heidelbeeren. Bis morgen hat das Teilchen ja noch Zeit. 

Danach wurde weiter gebacken. Kuchen für die Firma. Weil ich so gerne rumzicke, hat mein Mann mich mit drei Kilogramm Äpfeln in eine Ecke gestellt. Schälen, entkernen,  vierteln und einschneiden. Handlanger Arbeiten. So kommen wir uns nicht in die Quere. Dauert natürlich doch alles länger als man sich ausgemalt hat. Dann gibt es einen fliegenden Wechsel. Mein Mann macht Pause und ich knete weiter.

Kurze Mittagspause. Blechkuchen eins und zwei sind fertig. Gleich kommen drei und vier an die Reihe. Gefolgt von zwei Cheesecakes…. 

Es duftet so gut im Haus und ich darf nicht naschen. Aaaach! 

Ich suche verzweifelt nach unserer kleinen Geburstagstradition. Ein selbstgesticktes Banner,  kleine Holzherzen mit Kerzen-und Zahlenhalter und einen silbernen Bären. Das gab es immer auf den Platz des Geburstagskindes. Im Laufe der Jahre ist das ein oder andere dazu gekommen. Mir bedeutet das unheimlich viel. Die Sachen werden zwischen uns hin und her geschickt. Doch in den letzten Jahren verschwand immer mehr und ging verloren. Das macht mich jedesmal sehr traurig. Es scheint nur eine Tradition zu sein, die mir am Herzen liegt. Ich hätte auch nicht nachfragen dürfen. Natürlich nimmt man es gleich persönlich und wird unfair. Ich bin es leid. Ich bin es so leid. Ich musste mir am Ende auch noch sagen lassen,  dass ich kein Verständnis für die Situation anderer hätte. Es geht doch einfach nur um ein zwei Stücken Holz. Aber ja. So bin ich. Ich habe kein Verständnis für nichts und niemanden und denke nur an mich und meine Angelegenheiten. 

Das werde ich jetzt auch machen. So nicht. Absolut so nicht. Jeden Tag versuche ich aufmunternde Worte zu finden. Hier und da versuche ich mit kleinen Überraschungen Lächeln zu zaubern. Ich versuche materiell und finanziell zu helfen,  helfende Hände vor Ort  zu vermitteln. Ich höre mir an was es zu sagen gibt. Kummer, Sorgen, Ängste, Nöte. 

Die fehlende Impulskontrolle bin ich so leid. 

Bär und Banner sind bei mir. Der Rest geht dann morgen in die Post. Zu spät. Morgen ist es zu spät.  Es ist so lächerlich. Ich werde die Sachen behalten. Ich werde nichts mehr davon wegschicken. Ich werde nicht mehr versuchen anderen mit alten Erinnerungen Freude zu machen. Es bleibt einfach meine Freude. Mein kleiner Schatz. Es ist eins der wenigen Dinge,  die ich aus meiner Kindheit retten konnte. Alles andere wurde verliehen, verlegt, vergessen. Warum gibt es dafür kein Verständnis? 

Ich fühle mich wie Homer Simpson mit seinen Schweinskopf Manschettenknöpfen. 

Halb sechs und der Backofen läuft noch immer. Der Kirschkuchen ist wohl nichts geworden. Abgesehen davon dass der ganze Backofen voll mit Kirschen und Pudding ist… Nun auch noch Ofenreiniger. Tschüss liebe Oopsie Pizza.

Nein. Meine Pizza lasse ich mir nicht nehmen. Ich freue mich den ganzen verfluchten Tag darauf! Die beiden Cheesecakes sind auch schon auf dem Grill. Also kommt meine Oopsie Pizza dazu. Später. Sobald die Temperatur erhöht werden kann… Also doch was neues ausdenken. Oder einfach niemanden alleine in der Küche lassen oder einfach ins Bett gehen.

Stattdessen gehe ich baden. Versuche mich zu sammeln. Versuche ein paar Worte zu finden. Stelle mein Essen um. Dann eben wieder Salat. Eigentlich ist es auch egal. Hauptsache Essen. 

Kleine Pause. Wir sind beide ziemlich im Eimer. Der Kirschenkuchen ist doch noch fest geworden. Auch der Cheesecake. Der Ofen ist sauber, die Küche blank. Mein Mann im Keller. Er bastelt dort am Hochzeitsgeschenk. 

Warum den ganzen Aufwand? Warum Kuchen für die Firma backen und nicht einfach irgendwas aus der TK? Ganz einfach. Es sagt unheimlich viel über die Wertschätzung anderer aus. Man nimmt sich die Zeit und macht sich Gedanken. Was könnte schmecken. Man sucht Rezepte heraus, geht einkaufen und steht den ganzen Tag in der Küche. Einfach weil es uns andere Menschen wert sind. Unser Geld aber auch vorallem unserer Zeit. 

Wie kann man das in einem schnellen Alltag besser zeigen als mit einem selbstgemachten Stück Kuchen? Oder Burger? Oder Pizza? Oder einem Häkelpony?

Tschüss 

vor 4 Jahren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.