Nein und Colaflasche aus der Waschmaschine 

Ich muss schlecht geträumt haben. Ich kann mich diesmal nicht so richtig erinnern. Jedenfalls wache ich mit einem Gefühlschaos auf. Ich bin gleich genervt und aggressiv. In der Küche brummt irgendwas, was mich wahnsinnig macht. Ich schneide Brot und obwohl alles bis auf die letzte Scheibe schön halbwegs gleichmäßige wird, lässt mich die letzte krumme Scheibe fast das Messer in die Arbeitsfläche rammen. Irgendwann kann ich auch das Geräusch identifizieren. Es ist der Brotbackautomat, der im Standby läuft. Ich ziehe den Stecker. 

Ich kann die kleine Schaufel für das Vogelfutter nicht finden. Sie liegt im Garten auf dem Tisch. Da wo ich sie gestern abend habe liegen lassen. Meine Vermutung war die Spülmaschine. Ich bin unruhig und fahrig. Das nicht vorhandene aber in meinem empfinden unbeschreibliche Küchenchoas macht mich noch nervöser.

Ich habe vergessen die Wäsche für meinen Mann zu machen und ärgere mich zusätzlich. Dazu schiebt sich immer wieder ein oder auch mehrere Gedanken unaufgefordert in mein Hirn. Laufen. Du musst laufen. Putzen. Rasen mähen. Wäsche. Du musst die Wäsche machen. 

Ich will nicht. Ich will gar nichts. Ich will diesen Tag nicht und ich will den nächsten auch nicht. Ich will nicht vor die Tür und ich will auch keine Gesellschaft. Ich will in mein Bett. Ich will da bleiben bis ich festgammel. 

Mein Telefon meldet sich, obwohl ich gerade damit beschäftigt bin, diese Zeilen zu schreiben (in der irrwitzigen Hoffnung mich wieder zu erden) ploppen Nachrichten auf. Nicht mal das Telefon merkt wann ich meine Ruhe haben will!

Ich sammel die Wäsche zusammen und stelle eine Maschine an. Ziehe dann meine Laufsachen an und los… Weglaufen. Viel zu schnell. Unkonzentriert. Atmung, Schritte. Keine Harmonie. Ich versuche mehrfach mich zu bremsen nur um dann noch schneller zu werden. 

Wieder Zuhause bereite ich meinen Wackelquark, Tee und Kaffee zu. Ich brauche sehr lang. Irgendwas in der Küche lässt mich hektisch werden. Sind es die paar Brotkrümelchen am Boden? Oder die Tasse in der Spüle? Ich weiß es nicht. Ich habe fast den Eindruck als hätte sich die Küche gegen mich verschworen. Das Bild ist mir fremd. Die Küche erscheint mir fremd. Unbekannt. Fast bedrohlich. Es stimmt was nicht. Etwas stört das Gesamtbild. Ich weiß es nicht. 

Ich versuche mich zu entspannen. Sofa. Kaffee. Atemübungen. Ich spüre wie sich langsam eine Panik ankündigt. Finger und Hände werden steif und ein Kribbeln zieht mir die Arme hoch. Gefühlt braut sich einfach wieder was aus dem Nichts zusammen. Ich kann keinen Auslöser, keinen Trigger sehen oder erkennen. Ich würde das Wochenende ausschließlich. Gefühlt ist es für mich erledigt. Abgesehen von meinen immernoch geschwollenen Speicheldrüsen ist es nie passiert. Zur Zeit bin ich weder im Forum noch auf Instagram aktiv. Auch eher wenig in der WhatsApp Gruppe… Alles deutliche Rückzugszeichen. Warum!

Ja, Blog läuft. Eher als Übersprungshandlung als aus Spaß. Ziellos. Planlos. Immernoch Diätende. Essen. Ich weiß nur, ich merke nur, dass mich Kleinigkeiten schnell überfordern. Haushalt. Wäsche. Nicht weil ich körperlich nicht in der Lage wäre, wie zum Ende der Diät. Ich seufzte viel. Stressabbau.

Ich gehe in den Garten. Rasen mähen ist dringend notwendig. Ich fange neben dem Carport an. Jedes Mal wenn ich mit dem Rücken zur Straße unterwegs bin, steigt mein Stresslevel. Ich würde es nicht hören wenn sich jemand von hinten nähert. Ich versuche die Geschwindigkeit bei zu behalten und ruhig durchzuatmen. Nein. Stress wird höher. Es geht zurück in den Garten. Ich bleibe einen Moment bei geöffneter Gartenpforte mit dem Rücken zur Straße hocken, rupfe Unkraut. Wird besser. 

Ich atme kurz durch und mache im Garten weiter. Draußen ist es heisser als gedacht. Ich versuche nun all das zu machen was ich in den letzten Tagen ‘versäumt’ habe. Dann wird die Wäsche aufgehangen. Ich mache ein paar Trockenübungen Kreuzheben und vorgebeugtes Rudern. Gestern habe ich mir wieder ein paar Technikvideos angeschaut. Läuft doch. 

Ich mache mir einen Eistee und setzte mich aufs Sofa. Es klingelt. Kurz zögere ich. Die Postbotin. Sie fragt schon eine ganze Weile nicht mehr nach Rebeca. Ich nehme an, dass sie bei dem Brief vom Krematorium im letzten Jahr schon dachte Rebeca sei tot. Sie drückt mir ein Paket in die Hand und lächelt. Kikok. Hähnchenbrust und Geflügelwürstchen. Ihr wisst ja, dass ich gerne Fleisch esse, es aber aus einer absolut sauberen Herkunft stammen muss. Kikok hat in meinen Augen den richtigen Ansatz. 

Ich räume das Fleisch in den Kühlschrank. Dann wandere ich zurück auf mein Sofa. Tee, Kaffee, ich bin unruhig. Nein. Das liegt nicht am Kaffee. Ich trinke sogar weniger koffeinhaltiges. 

Bevor ich mich meinem Essen widme, wird gestaubsaugt und noch eine Ladung Wäsche aufgehenden. Beim Herausnehmen der Wäsche fällt mir ein durchscheinendes Irgendwas ins Auge. Ich hebe es auf. Etwas klebrig und voller Fusseln. Ein Colafläschen Gummibärchen. Überbleibsel vom Shooting. Ich hatte mir eine Ladung Colorado Minis in meine Hosentaschen gestopft. Wird wohl nicht das Letzte gewesen sein. Den Spülgang hat es offensichtlich ziemlich gut überstanden. 

Oh! Ich habe gerade ein Sättigungsgefühl. Also Bauch voll. Kein Hunger mehr. Ich habe hier noch drei Gemüsepuffer auf meinem Teller liegen. Ich stopfe sonst solang Essen rein bis Töpfe und Pfannen leer sind. Das ist wirklich gut! Ich habe wieder langsam und bewusst gegessen. 14:30 Uhr, ich faste seit 20:00 Uhr gestern Abend. Mein Körper gewöhnt sich daran. Essen ist kein ‘free Loot’, es steht nicht 24/7 zur Verfügung und wird aus Langeweile geschaufelt. Essen  schon Kleinkinder werden bei jeder Gelegenheit mit Essen vollgestopft. Essen als Trostpflaster, Essen. Essen, Essen, nicht um der Nährstoffaufnahme wegen. Einfach so immer und überall. Nie gelernt. Verlernt. 

Minimal kurze Freude darüber. Ich staubsauge weiter im Haus. Gehe duschen und ziehe mich in mein abgedunkeltes Wohnzimmer zurück. Eine neue Masche meiner Depression, fürchte ich. Sobald die Rollos offen sind fühle ich mich sehr unwohl. Ich kann es noch nicht richtig beschreiben. Ich fühle mich einfach ausgeliefert. Unsicher. 

Genug geschrieben für heute. Ich bin sehr erschöpft. 

Tschüss 

vor 4 Jahren

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