Donnerstag 

Auf und ab und auf… Beschreibt ganz gut meine Stimmung an diesem Morgen. Die Nacht war ausreichend lang und auch einigermaßen erholsam. Etwas chaotisch starten die Frühstücksvorbereitungen. Irgendwie will das Kaffeewasser nicht durch den Filter. Grüner Tee und Ingwer, fertig. 

Ich will heute spontan entscheiden ob ich in den Keller gehe. Wie es so ist, wenn mein Training von mir den Stempel ‘optional’ bekommt, habe ich unheimlich Lust darauf und kann es kaum abwarten los zulegen. 

Ich glaube, ich habe einfach Angst vor dem Termin am Montag in der MHH. Fakt ist, dass es nie eine richtige Diagnostik gab. Bisher immer nur Symptome behandelt wurden, aber nicht der Ursache auf den Grund gegangen ist. Man hat immer nur daran lang geschrammt und es verschlimmert. Dazu kommen die endlosen miesen Erfahrungen mit Psychologen und Psychiatern. Das ewige Unverständnis. Der wirklich grauenhafte erste stationäre Aufenthalt. Medikamente, die nur mit mehr oder weniger starken Nebenwirkungen ‘wirken’. Ich habe auch absolut kein Bedürfnis meine Verhaltenstherapie weiter zu machen. Wozu auch.  Wer weiß was man noch für Monster frei lässt wenn man weiter bohrt. Mir ist einfach ein Teil meines Willens verloren gegangen. 

Seufzend laufe ich von Raum zu Raum. Sitze mal hier, liege mal da. Versuche zu schlafen, zu lesen, zu backen. Versuche eine Nachricht zu beantworten. Mache den Fernseher an und wieder aus. Mache ein Hörbuch an und wieder aus. Jeder Handgriff ist einer zu viel. Es dauert noch eine gefühlte Ewigkeit bis es Zeit für mein Training ist. Es muss zum IF passen. Essen wäre gut. Den ganzen Tag. Die einzige Beschäftigung, die mich nicht langweilt, anödet oder zu anstrengend ist. Scheinbar eine Leere füllt, die nicht zu füllen ist.

Ich mag auch nicht raus. Nicht weil ich Angst habe. Die scheint schon lang verschwunden zu sein. Ich mag auch mit niemanden reden. Ich mag niemanden sehen und vorallem nichts hören. Schwarz. Es sollte alles schwarz sein. Kein Interesse mehr. An nichts und niemanden.

Zeit soll man nicht absitzen oder totschlagen. Zeit ist wichtig und wertvoll… Nein.

Oha! Eine Postkarte aus Schottland – in Island abgeschickt. Kann nur von Mom sein.

Ich versuche mich noch einmal in der Küche. Packe alles aus und wieder ein. Für mich heute eine unüberwindbare Aufgabe – mein Grießküchlein.

Noch einen Anlauf und noch einen. Dann klappt es. Heute ganze ohne Kokos, dafür mit Möhre, Limette und Rum. Statt Gugelhupf- Auflaufform. Ich bin gespannt… (Ist wohl ausbaufähig! Aber nicht misslungen. Ich esse auch die Protion für morgen. Einfach weil es Spass macht direkt aus der Form zu essen)

Training, Oatmeal, heute mit Dinkelkorn und Dinkelflocken. Es dauert eine Ewigkeit bis ich aufgegessen habe. Danach fallen mir praktisch im Sitzen die Augen zu. Ich bin völlig kaputt. 

Abendessen ist soweit vorbereitet. Lachs mit irgendwas. Hauptsache die Makros füllen und ein Möhrensalat für hinterher. 

Eine Runde quäle ich mich noch mit meinem Igelball. Tut gut. Nach der Carbbombe von vorhin kommen die Venen am Bizeps und Unterarm schön raus. 

Es regnet. Das Licht draußen ist seltsam gelb. Schluss für heute. 

Tschüss 

vor 4 Jahren

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