Kuscheldecke und Wärmflasche 

Sooo kalt. Es wird Zeit die Winterdecken auszumotten. Trotz Wärmflasche wird mir heute nicht so richtig warm. Mehr als ein Hauch Herbst liegt in der Luft. Die Nacht war wirr, aber nicht auf schlimme Art. Durchaus gute Träume. Lässt es doppelt schwer werden aufzustehen. 

Von meinem Mann fehlt jede Spur. Habe nicht mitbekommen wann er ins Bett gekommen ist, noch wann er aufgestanden ist. Als er mich werkeln hört kommt er aus dem Keller. Wir machen uns gemeinsam Frühstück. Morgen geht es wieder los. 

Ich überlege kurz zum Bäcker zu gehen. Ich fürchte aber, daß könnte das Fressmonster wecken. Überhaupt könnte ich gerade alles essen. 

Wolldecke und Kuscheljacke helfen nicht weiter. Ich versuche es mit einer heißen Dusche. Obwohl ich es nicht mag morgens nass zu werden, schon gar nicht wenn es kalt ist. Schon seltsam. Tageszeitabhängige Wasserscheue. Warum nicht, jeder braucht so seine Eigenheiten. Neue Wärmflasche und rauf in mein Zimmer. Mein Kopf scheint vor Bastelideen überzusprudeln. Dann sitze ich aber doch einfach nur da und beobachte die Spatzen auf der Fensterbank. 

Meine Hände arbeiten vor sich hin. Produzieren jedoch nicht wirklich was. Dafür fange ich zuviel an, lege es bei Seite und fingere am Nächsten herum. Es stehen eine Menge offenener Kisten und Kartons herum. Wolle, Stoffe, Leder. Das Erinnerungspäckchen, das ich vor einigen Monaten von meiner Mom bekommen habe, fällt mir in die Hände. Immer wieder wandert mein Blick darüber. Dann öffne ich es. Diesmal verfehlt es seine Wirkung nicht. Ein Schwall an schönen Erinnerungen durchströmt meine Gedanken. Fotos von mir. Gemalte Bilder von mir, Nashörner – sollten es zumindest sein. Die kleine verkrüppelte Tigerente. Natürlich selbst gemacht. Heute bekommt sie einen Platz auf meinem Regal, gleich neben Eisteddybär. Ein paar Gipsabdrücke meiner Füße – stammen wohl von den orthopädischen Einlagen, die ich als Kind hatte. Eine Wiegenfigur aus Salzteig. Eine gemalte Geschichte. Daran erinnere ich mich gar nicht mehr. Ich muss meine Mom mit Bildern und Geschichten zugemüllt haben! Ich muss lachen. Dann lege ich die Schätze zurück in den Karton. 

Mein Kopf quillt immer noch über. Ideen. Ideenfrakmente. Ich sammel sie. Ordne sie. Manche nehmen Formen an, werden konkreter. Andere verschwinden unfertig gedacht. Die Bande Spatzen lenkt mich ab. Sie balgen sich lauthals auf der Fensterbank. Machen lange Hälse und schauen ins Fenster. Dank der UV-Folie sehen sie mich nicht. Ich kann ganz Nah heran. Die kleine Blaumeise schlägt sich dazwischen. Großes Geschrei, alle weg.

Heisse Linsensuppe. Wolldecke und ab nach Westeros. Dicke Regentropfen und ein hartnäckiges Gewitter über unseren Köpfen.

Tschüss 

vor 3 Jahren

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