Nebel und Sofa

Trainingsfrei. Draußen ist der Nebel so dicht, daß man kaum die Hand vor Augen sehen kann. Während ich das Frühstück für meinen Mann vorbereite, wird es langsam klarer.

Ich stehe auf der Terrasse. Auf unserm Grillzelt sitzt eine Elster und krächzt. Auch sie bedient sich gern einmal am Vogelhaus. Zwei Pflanzen müssen noch rein. Zwei große. Die Feuchtigkeit des Nebels zeigt was ich geahnt habe. Beide Pflanzen sind über und über mit Spinnennetzen überzogen. Ach, die möchte ich bitte nicht im Nest haben.

Sofa. Heute ruft es wieder. Vielleicht brauche ich auch einfach einen zweiten Morgen. 

Inzwischen ist die Sonne heraus gekommen. Ich würde so gern etwas an die Luft. Die Türschwelle ist heute unüberwindbar. So bleibt mir nur der Blick aus dem Fenster. Garten frustriert mich zu sehr. Ich mag raus. Ich ziehe meine Jacke an und wieder aus. Zurück aufs Sofa. Ich stehe wieder auf. Gehe zur Terrassentür, mache sie auf. Spüre die kühle Luft und höre den Wind, ein paar Vögel und einen Trecker. Ich seufze und mache die Tür wieder zu. Zurück aufs Sofa.

Ich mache wieder einen Käsekuchen, das Rezept wandel ich ein wenig ab. 

Solang der im Ofen ist, kann ich es nocheinmal mit dem Garten probieren. Das Mais nebenan wird geerntet. Da kann ich auch Rasen mähen. Ich hole den Mäher aus dem Schuppen und lasse ihn stehen. Die Wiese ist noch viel zu nass. Ich widme mich also einer der großen Pflanzen, schneide in der Hoffnung möglichst viele Insekten und Arachnoide zu vertreiben an der Kletterpflanze herum, die mit im Topf wächst. 

Der unglaublich große Mähdrescher fährt keine 10 Meter entfernt an mir vorbei. Hupsignale für den Trecker bescheren mir einen Anflug von Panik. Ich versuche es auszuhalten. Mache weiter. Der Mähdrescher bleibt praktisch neben mir stehen. Ist jetzt leiser, dennoch beinahe ohrenbetäubend. Mittag? Meine Panik steigert sich und dann aufeinmal wird aus der Panik Resignation. So überwältigende Resignation, daß sie mich fast von den Beinen holt. Ich schleiche langsam zurück ins Haus. Nein.

Nein. Nein. Nein. Ich hänge im Haus fest. Keine Chance. 

Briefkasten. Die Sonne brüllt mich förmlich an. Ich wage einen neuen Anlauf. Garten. Nur ein wenig Rasen mähen. Panik. Ich halte durch. Baden. Versuche mich zu entspannen. Lese. Kurzgeschichten. Gelesen. Nicht verstanden. Nein. So soll es nicht sein. Nein. 

Zurück im Wohnzimmer. Dunkel. Ich mache die Jalousien runter. Ich will die Sonne nicht sehen. Will die Welt nicht sehen. Verschanze mich auf meinem Sofa. Verfluche das Sofa. Verfluche mich und meine Unfähigkeit. Verfluche alles. Nein. Wölkchen. Mein kleiner Halt. 

Tschüss

vor 4 Jahren

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