Geplanter Ausflug und das wird wohl nichts

Für das Wochenende ist/war ein Ausflug nach Hamburg auf eine kleine Messe geplant. Weil wir immer wieder die Konfrontation scheuen, ist Lex in die Hundepension gegangen. Ich ärgere mich gleichermaßen, wie ich mich über die kleine Pause freue. So wird er es nie lernen – Ich brauche aber einen Moment frei.

Kaum dort angekommen merke ich sofort wie sehr er mir fehlt. Er ist doch da um mich zu begleiten. Um dabei zu sein, um mir diese Ausflüge überhaupt zu ermöglichen… Zwecklos. Er ist nun mal nicht da. Vielleicht sollte ich Lex doch eine Weile in die Hand eines Trainers gegeben. Ich kann einfach nicht Vorleisten was wir uns erarbeiten müssen. Nicht jetzt. Nicht in dieser aktuellen Phase. Nicht alleine.

Es ist voll, unheimlich voll. Soviel voller als wir vermutete haben. Ich stelle mich an der Einlassschlange an, mein Mann schaut derweil ob wir mit unseren Karten ohne Anstehen durchkommen. Die Schlange geht bis zum Parkplatz. Eine Frau, die wild fuchtelnd mit einer Kelle den Verkehr regelt kommt mir viel zu nahe. Wie gern hätte ich jetzt Lex als tierische Blockade vor mir stehen. Wir gern hätte ich ihn bei mir um mich vor den viel zu nahen Menschen vor und hinter mir zu schützen. Ich sehe meinen Mann zurück kommen. Gerade rechtzeitig. Mein Kopf schwirrt vor aufkommender Panik. Wir stehen an einem kleinen Häuschen, zeigen die Tickets vor, bekommen unser Armbändchen. Mein Mann hat gleich zwei Tage Messe gebucht. Schon jetzt zweifelt er ob zwei Tage nicht deutlich zu viel waren.

Wir können das Zimmer immer noch stornieren und heut Abend wieder zuhause sein.

Ich kann darauf nichts erwidern. Zu sehr bin ich mit mir selbst und den Sog der Panik beschäftigt. Kopfschmerzen nagen an meinem Hirn. Sicher habe ich auch zu wenig getrunken. Wir schlängeln uns über das kleine Gelände. Was wir hier suchen ist kaum vertreten. Dennoch gibt es einen Vortrag, den wir uns anschauen wollen. Nur schwer kann ich mich auf die ausgestellten Gerätschaften konzentrieren. Es sind so unheimlich viele Hunde hier unterwegs. Sogar einige Welpen, die hier ihren ersten Kontakt mit der wilden Aussenwelt haben und es so gut machen. Immer wieder ziehe ich Vergleiche zu Lex. Immer wieder sehe ich was ich falsch mache. Endlich ist es Zeit für den Vortrag. Auch hier kommen mir die Leute zu nah. Einer fasst mir gar an die Schulter um zu fragen ob der Platz neben meinem Mann noch frei ist. Warum muss man mich dafür anfassen? Wie ein Blitzschlag fährt die Berührung durch meinen Körper. Ich erstarre sofort. Hat niemand bemerkt. Wie auch. Jeder ist mit sich selbst und der besten Sicht auf den Flachbildschirm beschäftigt. Eine Frau vor mir dreht sich immer wieder um und fragt ob ich sehen kann. Ich ignoriere sie. Sie sitzt nicht direkt vor mir. Warum also sollte ich nicht sehen können. Schiele ich so sehr nach rechts und links? Selbst wenn ich wollte könnte ich ihr nicht antworten. Mein Mann sagt irgendwas.

Der Vortrag ist ganz interessant. Ich schaffe es die Menschen um mich herum auszublenden. Zuzuhören. Auch wenn ich immer wieder an meine Wissensgrenzen stoße und keine Ahnung habe wovon der lustige Mann da vorne spricht. Ich werde nachher nachfragen. Nachdem der Vortrag vorbei ist warten wir einen Moment. Dann verlassen auch wir den Raum. Wir laufen noch ein, zwei Mal über das Gelände. Mein Mann spricht mit jemanden an einem Stand. Meine Kopfschmerzen werden stärker. Die Sonne blendet unheimlich. Das wird heut noch bös enden. An das Messegelände angeschlossen ist ein Campingplatz. Wir spazieren darüber, hier ist weniger los. An fast jedem Camper liegt ein Hund.

Wir unterhalten uns über das eben gehörte, ich stelle meine Fragen dazu. Natürlich kann mein Mann sie mir beantworten! Sobald es spruchreif ist, werde ich hier mehr darüber schreiben. Es wird sich viel, sehr viel verändern. Es ist schwierig, aber nicht unmöglich. Für uns beide einschließlich Lex wird es eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität werden. Ein inneres, ein äußeres Aufräumen.

Zurück am Auto, ich sitze, ich kann nicht mehr aufstehen. Meine Kopfschmerzen sind inzwischen so stark, daß ich bei jeder Welle mit meinem nicht vorhandenen Mageninhalt kämpfen muss.

Lass uns nach Hause fahren. Zwei Tage Messe waren von mir viel zu optimistisch. Und das was ich hier sehen will, ist leider auch kaum vertreten.

Es tut mir leid, es tut mir so leid. Mein Mann storniert das Hotel. Ich mache die Augen zu um meinen Kopf ein wenig zu besänftigen. Natürlich haben wir keine Schmerztabletten dabei. In diesem Stadium sind sie auch nicht mehr wirksam. Vielleicht sollte ich einen Neurologen aufsuchen. Irgendwas gegen Migräne…

Im nächsten Supermarkt gibt es Brötchen, eine Packung Käse und Oreo Mint – mMn schmeckt es wie Keks mit Zahnpasta. Ein Brötchenmesser liegt noch im Auto. Käsebrötchen auf Parkplatz ist bei uns der neue heiße Scheiß.

Ich kann kaum glauben, dass wir eine Weile jeden verdammten Sonntag Hannover – Hamburg und zurück gefahren sind. Wir müssen wirklich verzweifelt gewesen sein…

Verzweifelt sind wir nicht mehr, verunsichert ja. Aber nicht mehr verzweifelt. Da es schon relativ spät ist, können wir Lex auch nicht mehr abholen. Dem kleinen Mann tut ein wildes Spiel sowieso mal wieder gut. Sonntags können grundsätzlich keine Hunde gebracht oder abgeholt werden – weniger schlimm. Was ich brauche ist Ruhe, dringend Ruhe und nullkommanull Verantwortung. Montag morgen, Montag Abend. Lex hat dort eine beste Zeit. Er war Donnerstag und Freitag an mir hart im Einsatz. Auszeit ist wichtig. Vor allem für ihn.

Zwei Schmerztablette und eine Tomatensuppe später liege ich noch immer mit den Kopfschmerzen des Todes auf dem Sofa. Supernatural läuft. Die Schmerzen kommen immer noch in Wellen, mein Magen will immer noch Käsebrötchen und Suppe los werden. Irgendwann krieche ich ins Bett. Es dauert lang bis ich einschlafe. Als ich wieder aufwache sind die Kopfschmerzen weg. Es dauert einen Moment bis ich mich daran erinnere wo Lex ist. Auf meinem Nachttisch liegt sein neues Halsband. Sein Old Shatterhand Halsband. Es ist toll, es ist großartig geworden. Ich muss es mir immer wieder anschauen und es in die Hand nehmen.

Am Morgen sitzt mir die Panik im Nacken. So gut ich gestern durch den Tag gekommen bin, so sehr macht es mir heute zu schaffen. Ich habe ein neues kleines Häkelprojekt. Über Nacht ist mein Handgelenk wieder in Ordnung. Als die linke Seite betroffen war, hatte ich auch über ein halbes Jahr daran zu knabbern und dann war es von heut auf morgen weg. Natürlich nicht ohne vorher nochmal so richtig weh zutun. Es wird mein letztes Häkelprojekt sein. Es ist anstrengend. So anstregend. War es noch vor nicht all zulanger Zeit eine tolle Möglichkeit meinen Kopf zum Schweigen zu bringen, stresst es mich inzwischen so sehr wie ein Tag auf einer Messe. Nun gibt es nicht mehr was mir Freude bereitet. Gegen Ende eines jeden Jahres beginnt eigentlich die Zeit für Häkelprojekte und für meinen selbst gemalten Kalender. In diesem Jahr nicht. Das erste Mal seit, keine Ahnung, 10 Jahren wird es keinen Kalender von mir geben.

Es zerbröselt einfach alles. Es sollte ein gutes, ein fantastisches Jahr werden. Ein Neuanfang durch und durch. Spannend, anstrengend. Ja. Ja. Ja. Dreimal ja. Aber auch kraftgebend, ein Lichtblick. Neue Hoffnung…

Ich weiß nicht was ich mal wieder falsch gemacht habe. An diesem meinen kleinen Blog schreibe ich auch nur weiter, weil ich immer noch hoffe damit das Chaos in meinem Kopf irgendwie Herr zu werden. Und weil ich das Gefühl der Tastatur unter meinen Fingern mag. Viel zu oft aber wird es zu lästigen Pflicht.

Tschüss

vor 3 Jahren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.