Termin und ein bisschen blabla

Ich hatte gestern einen Termin bei meinem Psychiater. Ich bin im Vorfeld solcher Termine schon unruhig und mit den Nerven runter. Ich habe einfach zu viel Negatives erlebt, was Mediziner angeht. Diesmal musste ich auch ganz alleine hin. Mein Mann hat mich gefahren, ist dann aber mit Lex unterwegs gewesen. Also alleine an die Anmeldung, alleine im Wartezimmer, alleine im Sprechzimmer und dann auch nochmal zurück, weil ein Medikament gefehlt hat.

Es ging vor allem darum, wie es mir geht, wie ich die Medikation vertrage und ob es irgendwelche Verbesserungen oder Verschlechterungen gibt. Auffällig ist, dass ich seit ein paar Wochen in richtige Erregungszustände verfalle, also nicht still sitzen kann, von einer inneren Unruhe getrieben werde, den Tag aktiv gestalten muss. Raus, putzen, kochen, Training eben alles. Das endet dann am Abend in einer Panikattacke oder einem Shutdown oder eine Systemkurzschluss, keine Ahnung wie ich es benennen soll, bei mir geht dann schlicht gar nichts mehr. Dazu schlafe ich schlecht, nicht durch, hellwach, Träume, bunte, reale Träume. Nicht unangenehm aber auch mit einer gewissen Reizüberflutung. Das geht ein, zwei, drei Tage hintereinander. Dann falle ich wieder in ein Loch und es geht nichts mehr. Ich kann nicht aufstehen, liege fest. Angst und Panik geben sich die Hand. Eine bipolare Störung ist im Gespräch, wobei ich mich dafür recht untypisch verhalte. Aber hey, nur weil es nicht nach Lehrbuch verläuft ist es nicht gleich unmöglich. Ich bin mir nicht sicher ob ich ähnliches bereits mit meiner Therapeutin besprochen habe. Mein Psychiater hat mir darauf hin ein mildes Schlafmittel, bzw. Beruhigungsmittel aufgeschrieben, das ich bei Bedarf einnehmen kann. Ich soll nicht lange wach liegen, ich soll es auch direkt einnehmen wenn ich merke, dass eine schlaflose Zeit vor mir liegt. Ich soll mich dringend melden, wenn ich weniger als 5 Stunden schlafe. Er sieht davon ab die Dosis meines Antidepressivas zu erhöhen. Vielleicht muss die Dosis auch verringert werden oder wir steigen auf ein Phasenpräparat um, also etwas was die massiven Schwankungen dämpft. Ich denke schon, dass mir das Antidepressiva deutlich hilft, das es einen großen Teil dazu beiträgt, dass ich mein Leben gerade so aktiv gestalten kann und es wirklich das Fünkchen dazu beiträgt um gut mit Lex trainieren zu können.

Ich hatte dann aber auch noch eine Bitte, die ich vortragen musste. Es ging um ein Attest. Ich bin eigentlich strickt dagegen die Assistenzhundangelegenheit in die Hände von Medizinern zu legen. Eben weil sie sich nicht mit der “Sache” auskennen und nicht wissen was ein Hund im Alltag bedeuten kann. Was die Ausbildung an Kraft und Energie kostet und vor allem was es für ein finanzieller Faktor ist. Bei einem Blindenführhund, der extern ausgebildet werden kann, ist es wohl eine andere Sache. Ein Assistenzhund, der im psychischen Bereich arbeitet muss aber mit seinem Menschen trainieren. Das ist hart, sehr hart. Dennoch brauche ich ein solches Attest um Lex von der Hundesteuer befreien zu können. Assistenzhunde sind Blindenführhunden gleich gestellt. Sind Blindenführhunde auf Antrag von der Hundesteuer zu befreien, so gilt das auch für Assistenzhunde (schaut da bitte in die jeweilige Steuersatzung rein). Wahrscheinlich brauche ich das Attest auch für den Fonds. Es war für mich schwer die Worte zu formulieren, zumal der Doc dann auch anfing in meinem Unterlagen zu suchen und ich ihm dann erklären musste, dass es damals noch kein Thema war. Wir das Traumata erst vor kurzem “entdeckt” haben und dann wollte er auch noch genau wissen was passiert ist. Ich sagte dazu, dass sowohl der Weiße Ring, als auch eine Anwältin dazu kontaktiert wurden. Leider ohne Aussicht auf Erfolg. Er stellt mir ein Attest aus. Das war alles was ich wollte. Einen neuen Termin dann in 6-8 Wochen. Oder früher wenn was sein sollte. Ich werde meine Therapeutin bitten ein paar Zeilen zu schreiben um den aktuellen Stand der Dinge zu kommunizieren. Wir sind doch auf einiges gestoßen und ich bin beim Doc nicht unbedingt in der Lage alles zu sagen was gesagt werden muss.

Ich veröffentliche zur Zeit viele Storys auf Instagram, die ich nach einem solchen Termin direkt aufnehme. Es zeigt einfach ein deutliches Bild wie sehr mich diese Termine mitnehmen und wie schwer es mir fällt im Anschluss darüber zu sprechen.

Später am Tag wollte ich mit Lex noch raus ins Feld. Der junge Mann macht gerade gewaltige Fortschritte, ist aber auch oft gestresst. Und so saß er hechelnd im Wohnzimmer. Ich dachte eine Runde Wind um die Nase tut uns beiden gut. Gehen ohne Ansprüche. Einfach raus und den Stress weglaufen.

Kaum aus der Tür raus und auf der anderen Straßen Seite fuhr ein Auto langsam neben mir her. Lex ist sofort losgegangen und mir ist der Stress bis unter die Schädeldecke geplatzt. Es stellte sich heraus, dass es mein Versicherungsfuzzi ist, der mich dringend erreichen muss und keine Nummer von mir hat! Na sowas… dass ich jeden neuen Versicherungsfuzzi, jedes Mal aufs neue erklären muss, dass es von mir keine Nummer gibt und man mich bitte nicht belästigen darf. Ich bin also mit einem kläffenden Lex zurück ins Haus. Leider hat er auch nicht aufgehört Lex zu locken – Danke dafür. Das macht es nicht besser.

Nach dem ich den Fuzzi losgeworden bin, haben wir einen erneuten Anlauf gestartet. Was soll ich sagen, ein Karnickel, Menschen und eine Horde Kinder auf ihren Lauffahrrädern, die uns umkreist haben… Lex war wirklich cool dabei. Nicht super cool, aber deutlich entspannter als sonst. Dazu dann aber mehr in seinem Blog.

Am Abend hatte mein Mann ein Telefonat mit dem Versicherungsfuzzi, der zweite Versuch, weil ich beim ersten nicht anwesend war. Ja, bla bla. Es ginge um eine Versicherung und die ist jetzt etwas günstiger und überhaupt blabla. Mein Mann ist doch etwas böse geworden und hat sehr deutlich gesagt, dass wir eine solche Belästigung nicht wünschen, es auch entsprechend Unterlagen vorliegen über ihn zu kommunizieren und dass das neue Datenschutzgesetz auf welches sich Fuzzi immer wieder berufen hat, auch nicht erst seit gestern in Kraft ist – offiziell in Kraft ja, dennoch gab es eine Übergangszeit von zwei Jahren. Die sind wohl irgendwie übersehen worden. Ja und wenn sich so ein Fuzzi meldet geht es immer ums Verkaufen. Er ist nicht extra für mich raus gefahren und er kontaktiert mich nicht extra weil irgendwas zwei Cent günstiger ist.

Soviel zu meinem chaotischen Gestern.

Ich muss mich dringend noch einmal näher mit dem Thema Dissoziation befassen. Es ist keine Panik, die mich in der Küche heut morgen überfallen hat. Es war einfach ein wegsein.

vor 10 Monaten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.