Freubruar



Ja, ich vernachlässige diesen meinen kleinen Blog sträflich. Ich habe zur Zeit einfach nicht die Kraft zum Schreiben. Ich kann versuchen, die letzten beiden Wochen zusammen zufassen – sofern ich mich erinnere.

Ich hatte einen Termin bei meinem Psychiater. Ich habe ein Melperon bekommen. Zur Einnahme bei Bedarf gerade bei meinen Schlafstörungen. Ich habe natürlich Nebenwirkungen davon, es bringt mich leider auch nicht zur Ruhe, eher im Gegenteil. Mehr denn je leide ich unter extrem Hoch- und Tiefphasen. Eine bipolare Störung rückt also immer weiter in den Vordergrund. Gleichzeitig kann ich nicht mehr mit meinem “kleinen Ich” kommunizieren. Die habe ich ja gemeinsam mit meiner Therapeutin in Sicherheit gebracht. Es möchte nicht mehr, dass ich es besuche. Klingt komisch, ist aber so. Überhaupt hat alles autogene momentan den Effekt eine eher aggressive Komponente zu wecken. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass ich in den letzten 24 Stunden, Rund 4 Stunden geschlafen habe oder ob es einfach die geballte Ladung Februar mit all seinen Erinnerungen ist.

Ich habe ja, zu Beginn des Monats, den Februar kurzerhand in Freubruar umgetauft – passt auch besser zum Wetter. Hat aber leider keinen Effekt. Es sind einfach zu viele Erinnerungen, die unterschwellig brodeln und plötzlich hervorbrechen. Grundsätzlich würde ich meine Stimmung eher als positiv bezeichnen, tatsächlich ist es aber so fragil wie nie. Ich drifte immer öfter ab, Dissoziationen, ich weiß es nicht. Ich wollte eigentlich in der letzten Therapiestunde darüber sprechen. Dann kam aber doch eine Nachricht im sozialen Netzwerk dazwischen, die mich tief getroffen hat. Mir ist klar, dass ich durch meine offene Art mit “Angriffen” und wenig verständnisvollen Kommentaren rechnen muss. Tatsächlich ist dies bisher auch so noch nicht vorgekommen. Eher werde ich für meine Offenheit gelobt und bewundert. Ich bin der Meinung, dass man nur so anderen Menschen helfen kann zu verstehen und sich damit selbst zu helfen. Es ging konkret um Lex und um sein Verhalten. Ich bin der Meinung gerade in den letzten Wochen außerordentlich gute Fortschritte mit ihm gemacht zu haben. Vor allem war und bin ich unheimlich stolz auf uns wie konsequent wir zur Zeit arbeiten. Ich mich meinen Ängsten stelle und gleichzeitig mit Lex die Welt neu entdecke. Es hat bei uns – bei Daniel und mir- wieder das alte Loch aufgerissen. Sind wir die Richtigen für Lex? Ist er wirklich gemacht für diesen Job? Dazu Vorwürfe über das völlig versaute erste Jahr, was so aber auch nicht in unserer Hand lag und wir schon frühzeitig versucht haben gegen zusteuern. Es ist auch nicht so als hätten wir nicht auch an anderer Stelle um Hilfe gebeten… Wie auch immer, so wurde Lex zum Thema der Therapie. Ich hatte keine große Lust darüber zu sprechen, weil das Thema Hund, kein Thema ist mit dem ich über meine Therapeutin auf Augenhöhe sprechen könnte. Ich muss immer wieder ausholen und auf die Komplexität der Kommunikation zwischen Mensch und Hund eingehen. Hunde sind für viele eben nur “Beiwerk” man hat verlernt, dass es hoch soziale Tiere sind und nicht der kleine Schoßschnuffi.

Im Endeffekt war es recht gut darüber zu sprechen, denn ich war mir sicher mich entschieden zu haben: Lex geht zurück in die Zucht. Mein Mann war derweil mit unserer Trainerin und Lex unterwegs. Ich war so erleichtert, als ich gesehen habe, dass er in ihrem Auto sitzt… Zusammen mit ihrer Malinette haben sie “Auto” trainiert. Lex mag ums verrecken nicht mehr ins Auto einsteigen – die Pubertät und ihre tollen Side effects. Ich dachte sie würde ihn mitnehmen… Ich war aber noch erleichterter (gibt es davon eigentlich eigen Steigerung) als er dann wieder mit uns kam. Wir haben verschiedene Möglichkeiten angesprochen wie es weiter gehen wird. Unserer Trainerin sagte uns nochmal, das Lex gute Fortschritte machen und wir eben auch als Ganzes gesehen werden müssen, gerade bei mir gibt es einige Defizite, die gerade bei Lex zu blöden Situationen führen können. Da müssen wir Strategien entwickeln wie ICH alleine diese Situationen meistern kann. Mir bringt es nichts wenn mir Trainer XY das und das zeigt, wenn ich oft körperlich nicht in der Lage dazu bin es umzusetzen. Wenn ich geistig nicht in der Lage bin mit Lex klar zu kommunizieren. Ich es mental aktuell nicht schaffe ihn seine Grenzen immer und immer wieder aufzuzeigen.

Das ist ein Aspekt der zur Zeit durch meine Hirnwindungen geistert. Inzwischen bin ich jedoch wieder einmal mehr denn je davon überzeugt, dass Lex zu uns gehört und wir ob er nun Assistenzhund wird oder nicht, zusammen bleiben. Ich habe dann noch einen zweiten Weg gewählt, der evtl mehr mir als Lex helfen wird. Ich weißes nicht. Es ist eher spiritueller Natur und ich weiß selbst noch nicht ob ich daran glaube oder nicht. Aber hey, ein bisschen gutes Mojo hat noch niemanden geschadet.

Bei meinem Psychiater habe ich auch um ein Attest gebeten, ein Attest dass ich auf die ständige Begleitung eines Assistenzhundes angewiesen bin. Es ist mir absolut zuwider. Ich denke nicht, dass Aufgrund eines Attestes eine medizinische Notwendigkeit für ein Lebewesen ausgesprochen werden soll. Zumal sich viele Psychiater schlicht weigern oder nicht wissen was sie tun. Dennoch wird ein solches Attest – obwohl es jeglicher rechtlichen Grundlage entbehrt – verlangt, von der Stadt zwecks Befreiung der Hundesteuer (was die Stadt hier allerdings noch alles verlang grenzt scharf an Diskriminierung – Assistenzhunde sind tatsächlich Blindenführhunden gleichzusetzen). Ich werde ein solches Attest an verschiedenen Stellen brauchen müssen. Das Schreiben kam die Tage. Zur Vorlage bei der Krankenkasse… WTF? Ich habe gesagt dass die Krankenkasse einen Assistenzhund NICHT übernehmen wird, unter keinen Umständen. Ich habe gesagt ich brauche das Attest, eine medizinische Notwendigkeitsbescheiniung für Bla und Blubb. Ich war übrigens ganz alleine bei diesem Termin. Da sieht man was dabei raus kommt.

Am Wochenende kam es dann wieder zu einer Zaunbrüllerei. Wir sind zu dritt am Morgen los gezogen, dank Frühfrühling ist bei Lex auch Frühling und er ist besonders auf der Straße in der Pfeife zu rauchen. Zu hause ist er entspannt wie lang nicht mehr – aber draußen. So wurde diese Runde dann doch eher abgebrochen. Wir sind querfeldein gelaufen, ich hatte in dem Augenblick auch schon wieder mit meiner Panik zu kämpfen. Da wir in etwa 30 Metern Entfernung an der Pferdekoppel vorbei sind, habe ich auch immer nach den Tieren geschaut, die seit dem Tag wieder draußen stehen. Sehr weit hinten, auf der anderen Seite des Hofes und dort auch nochmal in kleineren Bereichen. Also war es zu den Pferden nochmal einige Meter mehr. 50 Meter vielleicht. Ich fand es sehr interessant, wie sie näher an die Abgrenzung gekommen sind und uns zugeschaut haben, ähnlich wie Kühen an der Weide. Ich bin vorgelaufen, weil ich so einen starken Druck in mir gespürt habe und ich einfach auch nicht streiten wollte. Im Haus angekommen, habe ich dann Schreie gehört. Als ich hinten in Garten war, hörte ich nur noch ein paar Wortfetzen. Angeblich würden Pferde durch gehen. Ich stand auf den Hügel an unserem Zaun, hatte also perfekten Blick über das Gelände. Keine Pferde zu sehen, kein wiehern, kein Hufe trappeln, kein Schnauben. Mir ist der Arsch geplatzt, das gebe ich offen zu. Die geballte Ladung der ewigen Zaunbrüllerei der letzten vier Jahre bricht sich an einem Stallbruschen bahn. Diese behauptet Lex habe Pferde gejagt und nicht zum ersten Mal dadurch die Umzäunung zerstört. Aha. Gut, das ich davon auch erfahre.

Ich habe keine Lust mehr weiter darüber zu schreiben. Ich habe mich hinterher für meinen Tonfall entschuldigt. Für uns steht allerdings fest, sollte es noch ein einziges Mal zu Anschuldigungen in irgendeiner Form kommen, dann ziehen wir definitv andere Seiten auf. Ich lasse gern mit mir reden wenn irgendwas, die Pferde erschrecken könnte, ich lasse mich aber nicht anbrüllen, schon gar nicht in meinem Garten. Ich lasse mir auch nicht hinterher rufen als wäre ich irgendein Stallgesinde. Das war schon bevor Lex eingezogen ist der Fall. Der Vorfall im letzten Jahr, ging vom Hof aus. Die Kosten, die mir dadurch entstanden sind, die ich vom Geld zahlen muss, dass eigentlich für Lex’ Ausbildung gedacht ist, nimmt mir auch keiner der Verursacher ab. Langsam reicht es auch bei mir.

Wir sehen zu, dass wir unser Projekt nun schneller voran treiben und uns eine Zwischenlösung einfallen lassen, denn hier sind wir definitiv die längste Zeit gewesen.

Mein Dampfreiniger ist kaputt gegangen! Den hatte ich so gern. Das wars dann auch erstmal wieder von mir. Ich muss in mich gehen und schauen ob ich diesen Blog weiter führen möchte oder ihn doch in Lex’ Blog aufgehen lasse, die Themen sind doch inzwischen so sehr verwoben, dass ich es einfach nicht mehr trennen kann ohne das wesentliche Bestandteile verloren gingen.

Gern dazu auch eure Rückmeldung!

Tschüss



vor 7 Monaten

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